Auswandern nach Nordnorwegen – Gastbeitrag von Julian und Denise

Julian ist im Sommer 2022 zusammen mit seiner Frau Denise in den Norden Norwegens ausgewandert. In diesem Gastbeitrag teilt er seine Erfahrungen mit uns.

Lieber Julian, wie seid ihr beide auf die Idee gekommen, nach Norwegen zu gehen?

Wie viele andere auch, machten meine Frau Denise und ich erst mal Urlaub in Norwegen. Das war im Jahr 2018. Dazu muss ich allerdings sagen, dass meine Frau Südländerin ist. Genauer gesagt ist sie in Palästina verwurzelt und daher hätte ich nie gedacht, dass sie am hohen Norden interessiert sein könnte (Vorurteile lassen grüßen). Wir hatten uns jeweils fünf Länder aufgeschrieben, in denen wir gerne Urlaub machen würden und bei uns beiden war Norwegen dabei. Somit war entschieden, dass wir nach Norwegen gehen. Was vor allem mich so beeindruckt hat, waren die Natur, die Gelassenheit der Norweger, die wir kennen gelernt hatten, und die Ruhe, die ich empfand, als ich das erste Mal im Land war. Im Jahr darauf wollte ich die Polarnacht erleben und schenkte Denise einen Flug nach Tromsö über Weihnachten. Es war dann tatsächlich ihre Idee, nach Norwegen auszuwandern.

Warum hat es euch gerade in den Norden des Landes verschlagen?

Den Norden finde ich persönlich etwas spannender. Viele konzentrieren sich auf den Süden, speziell auf Oslo und Umgebung. Dabei ist der Norden viel wilder, unbewohnter – auch nach Schweden rüber. Jetzt leben wir am Fjord, genau so, wie wir es uns gewünscht haben.

Das klingt toll. Wie habt ihr euch denn auf euren Umzug nach Norwegen vorbereitet?

Denise: Wir haben mindestens ein Jahr vor dem großen Tag mit der Vorbereitung gestartet. Dabei hat Julian die führende Rolle eingenommen, denn Bürokratisches liegt ihm sehr.

Wir mussten Kosten ermitteln und Preise vergleichen, um so die beste und günstigste Möglichkeit zu finden, nach Norwegen zu ziehen. Wir haben uns entschieden, mit dem Auto und einem Anhänger nach Norwegen auszuwandern. Den Anhänger haben wir sechs Monate vor dem Stichtag gekauft. Radikal ausgemistet wurde in den letzten sechs Wochen, wobei wir eigentlich schon Monate davor kontinuierlich viel aussortiert haben. Ebay Kleinanzeigen hat dabei sehr geholfen, aber auch Nerven gekostet. Einiges ist noch bei Julians Vater eingelagert, was wir vielleicht irgendwann abholen ☺.

Das mit dem Ausmisten und Verkaufen kommt mir sehr bekannt vor. 😀 Was macht ihr jetzt beide beruflich in Norwegen?

Wir arbeiten beide momentan als Tourguides in ganz Nordnorwegen, also Tromsö, Lofoten, Senja Island usw. Das heißt, wir machen mit Touristen von großen Kreuzfahrtschiffen wie der AIDA und Hurtigruten Stadtrundfahrten oder auch Nordlichter-Expeditionen und Wanderungen. Also mal was ganz anderes. Denise hat nämlich in Deutschland als Krankenschwester gearbeitet und ich in der Kundenbetreuung bei einer Firma, die Parksysteme herstellt.

Das hört sich nach einem spannenden Job an. Wie lief die Jobsuche ab?

Die Jobsuche verlief gar nicht mal sooo kompliziert. Wer bereit ist, zu arbeiten, bekommt in Norwegen auch einen Job. Wir hatten uns zunächst Richtung Trondheim orientiert, weil ich dort eine Bewerbung an eine große Chemiefirma geschickt und auch ein Vorstellungsgespräch hatte. Allerdings habe ich die Stelle nicht bekommen und wir dachten, vielleicht sind die Jobmöglichkeiten in Oslo besser. Ich hatte dann Kontakt zu einer Zeitarbeitsfirma, die mir gute Tipps gegeben und auch viel geholfen hat. Zuvor hatten wir allerdings unsere Bewerbungen zu der Guiding-Firma in Tromsö geschickt.

Denise hätte bereits mehrere Angebote für Jobs als Kellnerin in Oslo gehabt, während ich noch gesucht hatte. Dann hat sich die Firma aus dem Norden gemeldet und uns beide interviewt. Da dachten wir uns einfach: Ok, dann eben in den Norden, das wird ein Abenteuer!

Ihr kanntet Norwegen früher nur aus dem Urlaub, wie ist es jetzt, tatsächlich hier zu leben?

Natürlich ist es hier schön, man darf sich aber auch nichts vormachen: Man nimmt seine Sorgen und Ängste aus Deutschland mit und auch ungelöste Probleme, mit denen man zuvor zu kämpfen hatte, verschwinden nicht einfach. Wir haben schon guten Kontakt zu Norwegern geknüpft. Aktuell läuft noch vieles auf Englisch, wobei ich schon immer wieder die norwegische Sprache verwende. Das mögen die Norweger nach meinem Eindruck. Manche sprechen langsam und deutlich und man kann sich dann gut unterhalten. Bei anderen verstehe ich kein Wort.

Norwegen ist bedeutend teurer. Ich habe das Gefühl, dass 500 NOK wie Kleingeld wirken. Wir müssen hier zunächst erst mal jede Krone umdrehen. Vieles ist anders, manches vermisse ich auch aus Deutschland. Manches überhaupt nicht – zum Beispiel den Strompreis. Wir zahlen auf die Kilowattstunde 0,02 Cent, das ist unglaublich! Die Wasserqualität ist hier gigantisch – kein Kalk! Aber auf der anderen Seite wird man hier nicht von Amazon und Co. verwöhnt und man muss Alternativen suchen. Das Brot in Deutschland ist besser ;).

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Denise möchte wieder als Krankenschwester arbeiten und macht seit September einen Norwegischkurs. Sie ist also noch etwas mehr Anfängerin als ich. Mir gefällt der Job als Tourguide sehr gut, er ist allerdings auch sehr unsicher. Kein Auftrag bedeutet kein Geld. Sowas wie Corona kann dir das Genick brechen, wenn der Tourismus von heute auf morgen eingestampft wird. Viele leiden unter den Folgen heute noch, weil zum Beispiel Büros geschlossen werden mussten. Wir möchten hier eine Familie gründen und wenn möglich ein Haus kaufen. Auch wir arbeiten an einer Selbständigkeit – daher haben wir auch unseren Youtube-Kanal gegründet. Ein Guide zum Auswandern soll folgen – also so ähnlich wie bei dir. Aber da sind wir noch ganz am Anfang.

Vielen Dank, dass ihr eure spannende Geschichte und eure Eindrücke mit uns geteilt habt. Ich wünsche euch alles Gute für eure Zukunft. 😊

Falls ihr mehr über Julian und Denise erfahren möchtet, dann schaut gern auf seinem Youtube-Kanal vorbei: https://m.youtube.com/c/AHikingVikingAuswandernnachNorwegen

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