Typisch Norwegisch (2): Über Digitaliserung und Duzen in Norwegen

1. Digitalisierung

In Norwegen läuft das Meiste digital ab, das habe ich schon bei meiner Ankunft im November 2011 bemerkt. Wir waren damals noch die Ausnahme, als der Busfahrer im Flughafenbus mit seinem Kartenlesegerät herum ging und wir dagegen unsere Fahrkarten bar bezahlten. Im Laufe der letzten acht Jahre hat die Digitalisierung natürlich noch weiter zugenommen. Mittlerweile kann man in einigen Linienbussen in Trondheim gar keine Fahrkarten mehr beim Fahrer kaufen. Stattdessen lädt man vorher seine Buskarte mit Geld oder einer bestimmten Anzahl von Tagen auf, oder man kauft den Fahrschein über die App.

Selbst habe ich noch lange meine Buskarte aufgeladen, während meine Kollegen schon auf die App umgestiegen waren. Meine Befürchtung war, dass ich das Handy vergessen oder der Akku plötzlich leer werden würde. Seit ich nicht mehr so häufig Bus fahre, weiß ich aber die Vorzüge der App zu schätzen. Mit einer weiteren App kann man dann seine Busverbindung heraus suchen und den Bus in Echtzeit verfolgen.

Auch einen Arzttermin bekommt man deutlich einfacher über SMS als über das Telefon, wo man meist gar nicht oder erst nach längerem Versuchen durch kommt. Stattdessen hat man die Möglichkeit eine SMS mit seinem Namen und einer kurzen Beschreibung seines Problems an das Arztzentrum zu senden. In der Regel bekommt man bereits innerhalb weniger Minuten eine Antwort per SMS mit dem Termin. Auf ähnliche Weise kann man auch Rezepte erneuern, falls man langfristig dieselben Medikamente einnimmt. Die Ärzte stellen ohnehin fast ausschließlich elektronische Rezepte aus, auf die dann alle Apotheken Zugriff haben.

Man kann sich in Norwegen auch so manchen Behördengang sparen, weil man vieles elektronisch übers Handy oder den Computer erledigen kann. Die Steuererklärung macht man hier schon lange elektronisch und als unsere Tochter geboren wurde, bekamen wir eine SMS vom Einwohnermeldeamt, dass wir ihren Namen jetzt online registrieren können. Auch die Kommunikation mit dem Kindergarten funktioniert, ihr erratet es sicher schon, natürlich mittels App.

Diese Art von digitaler Kommunikation hat sicher auch Nachteile, weil man sich manchmal lieber einen persönlichen Ansprechpartner am Telefon wünscht und weil sie häufig für ältere Leute eher eine Hürde als Erleichterung bedeutet. Wir hingegen sind meist froh, dass uns unnötige Behördengänge erspart bleiben und wir so Zeit sparen. Wie seht ihr diese Entwicklung?

2. Duzen

In Norwegen duzt man sich, auch Fremde und ältere Menschen werden geduzt. Das “Sie” hebt man sich für den König und die Königin auf und da ich diese noch nie getroffen habe, hab ich tatsächlich noch nie jemanden hier gesiezt. Das Duzen ist vor allem für uns Deutsche anfangs ziemlich ungewohnt, ich fand es anfangs komisch, ja fast unhöflich, meinen Arzt zu duzen. Man gewöhnt sich aber schnell daran und jetzt finde ich es übertrieben, dass man sich in Deutschland überhaupt siezt.

Auch im Kindergarten und in der Schule nennen die Kinder ihre ErzieherInnen und LehrerInnen beim Vornamen und ich mag das, weil es persönlicher ist und meiner Meinung nach eine Kommunikation auf Augenhöhe fördert.

Das Duzen ist nicht nur in Norwegen verbreitet, sondern zumindest auch in Finnland und ich nehme mal an, dass es in Schweden und Dänemark genauso gehandhabt wird.

Wie fändet ihr es alle zu duzen?

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