Abschied aus Deutschland

Mein Flug landete gegen 15:40 und es dämmerte bereits, als mein Mann in der Ankunftshalle auf mich wartete. Das Bild vom Fjord ist auf der Busfahrt in die Stadt entstanden. Er ist das erste, was ich von Norwegen gesehen habe und es war Liebe auf den ersten Blick.

Heute, am 9. November, genau vor 7 Jahren, verabschiedete ich mich am Mannheimer Flughafen von meiner Mutter, fuhr Richtung Frankfurter Flughafen, bestieg das Flugzeug mit meinem Koffer und einem oneway ticket nach Norwegen.

Ganz so einfach wie erwartet, fiel es mir doch nicht, alles hinter mich zu lassen und ein eine ungewisse Zukunft zu starten. Das überraschte mich etwas, ließ ich doch außer meiner Familie nicht viel zurück, musste ich doch keinen tollen Job und keine schöne Wohnung aufgeben. Im Gegenteil, ich ließ doch nur unsere kleine Wohnung und eine wenig erfolgversprechende Jobsuche nach der Beendigung meines Studiums hinter mir.

Mit Erleichterung und Vorfreude räumte daher ich unsere alte Studentenbude in der Mannheimer Innenstadt aus. War sie uns doch längst zu laut und klein geworden. Auf das Großstadtleben hatten wir auch keine Lust mehr. Eine Wohnung in ruhiger Lage mit schönen Grünanalagen in der Nähe sollte es in Norwegen werden. Die hatte mein Mann auch schon gefunden, doch hatte ich sie bisher nur auf wenigen Fotos gesehen.

Überhaupt wusste ich nicht wirklich, was mich dort erwarten würde, war ich doch noch nie in Norwegen gewesen und hatte Finnland nur wenige Male mit meinem Mann besucht und es dort immer als sehr kalt empfunden. Dieses Mal würde es noch weiter nördlich gehen.

Dunkel würde es dort sein, sagte mir die Kundenberaterin bei der Sparkasse, als ich ihr meine neue Adresse mitteilte. Hoffentlich nicht zu dunkel und kalt, dachte ich und war etwas verunsichert. Auch gefiel mir nicht, dass unsere Freunde und Bekannten immer vom „Auswandern“ sprachen. „Wir gehen erst mal nur für ein Jahr nach Norwegen, mal sehen wie es uns gefällt.“, war stets unsere Antwort. An diesem Gedanken hielt ich fest, er  motivierte und beruhigte mich gleichzeitig. Schließlich wollte ich doch schon als Jugendliche gern für ein Jahr ins Ausland gehen, was Neues sehen, meinen Horizont erweitern und dann mit neuen Eindrücken wieder kommen, oder mir vielleicht sogar in der Ferne ein Leben aufbauen, falls es mir dort gefallen würde. Aber Norwegen? Eigentlich sollte es doch ein englischsprachiges Land werden.

Aus dem erwünschten Auslandsjahr ist leider nie etwas geworden, auch nicht als Studentin, da mein Mann und ich zu der Zeit bereits zusammen wohnten und ein gemeinsames Auslandsemester schwierig zu organisieren gewesen wäre. Also, wenn nicht jetzt, wann denn dann? „Wir werden ja schließlich nicht jünger und wenn wir mal Kinder haben, wird es noch schwieriger“, sagten wir uns.

Dass es Norwegen werden würde, war reiner Zufall. Skandinavien war eigentlich nie unsere Traumdestination und Trondheim selbst sagte mir nicht viel. Das Jobangebot für meinen Mann kam rein zufällig. Dennoch lief alles reibunglos, sein Vorstellungsgespräch, die Wohnungssuche in Norwegen, sein Umzug, das musste doch ein Zeichen sein. Dazu war er noch von Land und Leuten begeistert, also konnte es doch nicht so schlecht sein, oder? Das sagte ich mir immer wieder auf dem Weg zum Flughafen. Nur blieb dieses leicht mulmige Gefühl im Magen, die Ungewissheit, was mich dort erwarten würde, ob ich die Sprache lernen und einen Job finden würde.

Eine Herausforderung würde es sicher werden, aber meine Motivation war hoch und ich freute mich darauf, nach 2 Wochen meinen Mann wieder zu sehen, der bereits seine neue Arbeitsstelle angefangen hatte und in unserer neuen Wohnung auf mich wartete. Mit diesem Gedanken bestieg ich in Frankfurt das Flugzeug. „Have you been to Norway before?“ Fragte mich der Sicherheitsbeamte am Osloer Flughafen, „No.“ Erwiderte ich, „but I’m moving here.“

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