Meine Jobsuche in Norwegen (Teil 1)

Aussicht aus unserer Wohnung Anfang November 2011

Der erste Schnee kam zwei Wochen nach meiner Ankunft. Von Kollegen meines Mannes wussten wir, dass das relativ spät für norwegische Verhältnisse war und ich war heilfroh, diese Schonfrist bekommen zu haben. Denn mein erster Winter war gefühlt der längste überhaupt und stellte mich vor unerwartete Herausforderungen.

Aussicht aus unserer Wohnung Anfang Dezember 2011

Die Tage waren sehr kurz und das wenige Tageslicht ungewohnt für mich. Ende November geht die Sonne in Trondheim um 9:23 Uhr auf und um 14:49 Uhr bereits wieder unter, das sind nicht mal 5 1/2 Stunden Tageslicht. Ende Dezember sind es dann sogar nur 4 1/2 Stunden.

Aussicht Anfang April 2012

Mein Mann war mit seiner neuen Arbeit beschäftigt und war oft zehn Stunden am Tag unterwegs. Ich füllte meine Tage mit dem Einrichten unserer Wohnung, Einkaufen und kochen, Behördengängen und lernte zu hause Norwegisch. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinerlei Kontakte in unserer neuen Heimat geknüpft, der soziale Austausch fehlte mir. Dennoch war alles spannend und Neudorf mich, ich hatte Lust auf das Abenteuer Norwegen und wollte dieses Land und seine Sprache erkunden.

Nachdem ich nun offiziell angemeldet war, ich meine ersten Erfahrungen im Supermarkt gemacht hatte und unsere Sachen ausgepackt und eingeräumt waren, kam sie plötzlich, die große Frage, “Was soll ich hier eigentlich machen?“ 😱

Da wir noch kein Internet zu hause hatten, ging ich mich mit meinem Laptop ins Cafe um nach Jobs zu suchen und Bewerbungen zu schreiben. Zunächst suchte ich nach Stellenangeboten auf Englisch, da gab es aber nur sehr wenige. Dann suchte ich auf Norwegisch, schrieb aber meine Bewerbung auf Englisch, was mir sicher keine großen Chancen einbrachte. Mir wurde also schnell klar, dass ich mit meinem wenigen Norwegisch nicht weit kommen würde.

Also machte ich mich auf zum örtlichen Arbeitsamt um mir dort Rat zu holen. Bei unserem Gespräch, sagte mir die Dame dort ganz klipp und klar, dass ich zwei Alternativen habe: entweder einen Putzjob zu machen oder erst mal die Sprache zu lernen um danach evtl. einen anderen Job bekommen zu können.

Meine Entscheidung war sofort klar. Zwar war ich mir nicht zu schade zum Putzen, jedoch war mir das Wichtigste, die Sprache zu lernen, allein schon um die Ansage des Busfahrers zu verstehen oder mich mit einem Arzt verständigen zu können. Da man bei einem Putzjob eher nicht so schnell Norwegisch lernt, fiel diese Option sofort raus.

Dass mir mit meinem abgeschlossenen Studium in BWL mit Schwerpunkt Marketing (ohne Erfahrung) die Jobs nicht hinterher geworfen werden würden, war keine große Überraschung für mich. Wobei mir jeder Job Recht gewesen wäre, bei dem ich Erfahrung in der Administration sammeln könnte. Nur haperte es an den Sprachkenntnissen um überhaupt die Stellenangebote zu verstehen.

Also war mein nächster Schritt klar: ich musste einen Norwegischkurs belegen. Bislang hatte ich Norwegisch mittels amerikanischer Fernsehprogramme wie “The Bachelor” gelernt. Diese laufen hier nämlich im Originalton mit norwegischen Untertiteln. Ich hatte mir Wörter und Sätze notiert und gelernt, aber es reichte nicht für eine Konversation.

Bei meiner Suche nach einem Norwegischkurs stieß ich sofort auf Evo (Enhet for voksenopplæring), eine Einrichtung von der Trondheimer Kommune, die unter Anderem auch Norwegischkurse für Einwanderer anbietet. Als ich im Dezember in Norwegen einen Einstufungstest an der Evo machte, hatte ich beteits ganz gute Vorkenntnisse, so dass ich einfache Sätze lesen und schreiben konnte. Zumindest schien die Dame, die sich den von mir produzierten Text ansah von meinen schriftlichen Sprachkenntnissen beeindruckt. Nur leider konnte ich die gute Frau kaum verstehen geschweige denn ihr antworten. 🙈 (Fortsetzung folgt)

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