Meine Jobbsuche und Vorstellungsgespräch in Norwegen (Teil 4)

Gleichzeitig schrieb ich wieder Bewerbungen, da ich nun in der Lage war, sie auf Norwegisch zu verfassen. Insgesamt schrieb ich sieben Bewerbungen, was ich wirklich überraschend wenig fand. Ich bewarb mich für Stellen in der Verwaltung an der Universität, in Kindergärten und in einer internationalen Schule. Letztere war sogar auf Englisch ausgeschrieben und die Arbeitssprache sollte vorrangig Englisch sein. Daher sprach mich diese Position besonders an, denn ich fühlte mich noch nicht wirklich bereit, ein komplettes Vorstellungsgespräch auf Norwegisch führen zu können. Ich hatte die Hoffnung allerdings schon aufgegeben, weil die Woche verging und ich nichts hörte. Dafür bekam ich eine Rückmeldung von der Uni, den Einstufungstest hatte ich bestanden und dürfte deshalb in Kürze mit Level 3 an der Uni beginnen.

Da landete am Freitag Nachmittag plötzlich die E-Mail mit der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch an der internationalen Schule am kommenden Montag in meinem Postfach. Die Norweger waren also spontan, dachte ich mir, kein Problem für mich, denn flexibel war ich ja.

Es war ausgerechnet die Woche, in der meine Eltern uns zum ersten Mal in Trondheim besuchten und wir ihnen alles zeigen wollten. Insgesamt hatte ich drei Vorstellungsgespräche mit der Schulleitung in der Woche und dachte, wenn ich danach nicht genommen werde, weiß ich auch nicht was ich falsch mache.

Die Vorstellungsgespräche liefen auf Englisch ab, aber ich wurde gefragt, ob ich Norwegisch konnte und meine Sprachkenntnisse wurden auch in einem kurzen Gespräch auf Norwegisch getestet. Die Stelle war als “Office Assistant” ausgeschrieben und ich dachte, dass ich ein Bisschen Kopieren und Post bearbeiten ja locker hinbekommen sollte.

Am Ende der Woche bekam ich dann die Zusage und die Frage, ob ich bereits am kommenden Montag anfangen könnte, klar konnte ich. Da der Kurs an der Uni ebenfalls in Kürze beginnen sollte und Vormittags stattfand, musste ich ihn kurzerhand absagen, denn ein echter Job war mir natürlich lieber.

Der Job stellte sich dann doch als deutlich anspruchsvoller heraus als ich erwartet hatte. Die Schule umfasste einen Kindergarten, eine Grundschule und die Sekundarstufe. Ich war Verantwortlich für die Kommunikation mit Eltern, Lehrern und Schülern, bediente das Telefon und die Haupt-E-Mail-Adresse, verwaltete die Schülerdaten, hielt die Webseite aktuell und half generell bei allem, was im Büro und allgemein in der Schule so anfiel. Aus den geplanten drei Monaten als Elternzeitvertretung wurden vier Jahre, ich wurde zum Office Manager und erhielt mehr Verantwortung, unter anderem für einen Teil der Buchführung.

Anfangs war das Arbeiten in zwei Fremdsprachen, also Englisch und Norwegisch, eine Herausfordwrung für mich. Besonders der Norwegischanteil war doch höher als erwartet. Die eingehende Post war überwiegend in norwegischer Sprache und viele der eingehenden Anrufe waren von Norwegern, die ungern Englisch sprechen wollten und so hatte ich in den ersten Wochen schon fast Panik beim Entgegennehmen eines Telefonats. Das legte sich natürlich in den folgenden Monaten und am Ende nahm ich es locker, denn zum Einen verstand ich die Norweger besser und zum Anderen lernte ich, dass man ja noch mal freundlich nachfragen konnte, wenn man etwas nicht verstehst.

Über die Zeit lernte ich dadurch natürlich eine Menge Norwegisch dazu, wenn auch nicht so schnell, wie es in einem rein norwegischsprachigen Umfeld der Fall gewesen wäre. Denn die schulinterne Kommunikation fand überwiegend auf Englisch statt. Tatsächlich hatte ich früher immer den Wunsch gehabt, eine Stelle zu bekommen, bei der ich zumindest auch teilweise Englisch benutzen würde.

Ich bin nach wie vor froh, genau diese Stelle bekommen zu haben (zumal ich später erfahren habe, dass es über 200 Bewerber für die Stelle gab), denn sie war herausfordernd und vielseitig, sodass ich in viele Bereiche reinschnuppern konnte, meine Unsicherheit am Telefon überwinden musste und als Person wachsen konnte. Wahrscheinlich wäre ich noch etwas länger in der Stelle geblieben, wenn unsere Tochter nicht auf die Welt gekommen wäre und meine Prioritäten sich dadurch komplett geändert hätten.

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