Norwegischkurs und meine Jobbsuche in Norwegen (Teil 2)

Der Januar kam und mein Norwegischkurs bei EVO begann. Er fand an 3 oder 4 Tagen die Woche statt und dauerte jeweils 3-4 Stunden, wenn ich mich richtig erinnere. In meiner Gruppe waren ca. 15 Leute aus aller Welt.

Schnell kam ich mit einer Iranerin ins Gespräch, die auf einen Studienplatz in Trondheim hoffte. Wir freundeten uns an und verbrachten in den kommenden Wochen viel Zeit miteinander und ich hatte zum ersten Mal seit dem Umzug wieder soziale Kontakte.

Der Austausch mit anderen Neuankömmlingen tat mir gut, denn wir saßen alle im selben Boot. Man muss allerdings dazu sagen, dass ich häufig auf Frauen traf, die ebenfalls aufgrund ihrer Männer nach Norwegen gezogen und mehr oder minder frustriert über das Wetter, die Dunkelheit und die allgemeinen Aussichten in Norwegen waren und ich aufpassen musste, mich nicht von dieser Negativität anstecken zu lassen. Klar hatte auch ich meine Momente oder sogar Tage, an denen die Frustration über mich kam, aber generell hatte ich Freude an unserem Abenteuer und eine hohe Motivation, die Sprache zu lernen.

Bereits nach wenigen Tagen des Sprachkurses war aber auch ich demotiviert, denn der Unterricht an sich war zwar ok, aber ging viel zu schleppend voran. Als wir am vierten Tag immer noch das Alphabet übten, fragte ich die Lehrer, wann man denn den Bergenstest anstreben könnte (damals dachte ich noch, dass man den Test zur Jobsuche benötigte).

Klar fand ich es wichtig, das Alphabet zu üben, aber wahrscheinlich werde ich das “Y” niemals perfekt aussprechen können, aber muss ich das? Meiner Meinung nach nicht, denn ich werde trotzdem gut verstanden. Es ging mir nie um die Perfektionierung meiner Aussprache, sondern darum, verstehen zu können und verstanden zu werden.

Die Antwort war der Lehrer war: frühestens in einem Jahr! Das war niederschmetternd, denn so lange wollte ich auf keinen Fall warten.

Mein Tiefpunkt war erreicht, als ich nach dem Kurs raus ging (es war 16 Uhr und damit stockdunkel) und den Boden draußen komplett vereist vorfand. Dazu regnete es auf das Eis, was die ganze Sache spiegelglatt machte. Ich schlich mich voran. An dem Tag hatte ich keine Spikes dabei und weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe nicht hinzufallen.

Beim Anblick der anderen Einwanderer, die ebenfalls im Schneckentempo über das Eis schlichen, konnte ich nicht anders als zu denken, dass es Absicht war, dass hier niemand gestreut hatte, so als würde man uns gleich klar machen wollen, worauf wir uns hier einließen und ich wusste nicht ob ich über diesen tragik-komischen Anblick lachen oder weinen sollte. 🙈

An der Bushaltestelle hielt ich mich an einem Mülleimer fest um auf dem Weg zum Bus nicht umzufallen und ich fragte mich zum ersten Mal, warum wir uns das hier eigentlich antaten. In dem Moment schien mir das Leben in Deutschland viel angenehmer und einfacher. (Fortsetzung folgt)

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